Ethik der Textkulturen

Bericht Rhetorik-Workshop

von Andreas Lugauer am 30.11.2017

Rhetorik-Workshop Augsburg, 10.–12.11.2017

 

»Eine Rede ist wie eine Liebesaffäre: Jeder Dummkopf kann damit anfangen.
Sie zu Ende zu bringen, erfordert einige Geschicklichkeit.«
Marcello Malpighi

Wie trete ich bei Vorträgen vor Publikum auf?
Wie gestalte und strukturiere ich eine Rede?
Wie setze ich meine Stimme ein, um kompetent und überzeugend zu wirken?
Um diese und andere rhetorische Fähigkeiten ging es beim Rhetorik-Workshop, den der Studiengang Ethik der Textkulturen vom 10.–12.11.2017 in Augsburg unter der Leitung von Coach Patrick Lang veranstaltete.
Workshop-Leiter Lang bietet seit etwa 20 Jahren solche Kurse an. Mit geübtem Blick stellte er zu Beginn des Workshops anhand von einminütigen Vorträgen unsere rhetorischen Schwächen fest und machte es sich zum Ziel, die wichtigsten davon im Laufe des Wochenendes zu verbessern.

Deine Rede beginnt schon, bevor Du sprichst: dann, wenn Du vor das Publikum trittst.
Beginne Deine Rede nicht mit »Heute spreche ich über …«, sondern hau‘ gleich einen raus, um die Aufmerksamkeit auf Dich zu ziehen.
Wenn Du keine Frage stellst, geh am Ende des Satzes mit der Stimme nach unten. – Mach auch mal ‘ne Pause. – – – Und vor allem: v a r i i e r e  DeInE STIMME sonstredestDunurmonotondahinundalleschlafeneinguteNacht
Tipps wie diese, die Lang uns anhand unterhaltsamer Beispiele vermittelte, übten wir stets ausführlich ein. Gelernt wurde fast spielerisch: Barack Obama vor dem deutschen Bundestag, Bundestrainer Jogi Löw in der Halbzeitpause des WM-Finales, Tim Cook bei der Präsentation des neuen iPhones – in diese Rollen durften wir schlüpfen, darin aus uns herausgehen und so über uns hinauswachsen.

Durch die vielen praktischen Übungen waren am Ende des Seminars bei uns TeilnehmerInnen deutliche Verbesserungen in den verschiedenen rhetorischen Aspekten zu sehen – zu sehen, denn die letzte Übung stellte eine gefilmte Rede (3 Min.) mit anschließender Video-Analyse dar. Das eben eingesetzte rhetorische Stilmittel Anadiplose (»zu sehen – zu sehen«, eine unmittelbare Wiederholung) hatten wir LiteraturwissenschaftlerInnen freilich vorher schon gekannt. Allerdings (fast) nur rezeptiv und unbewusst produktiv, und nicht, wie jetzt, auch bewusst produktiv.
Wer noch nie eine Videoaufzeichnung von sich selbst gesehen hat: Gemeinhin nehmen wir uns als sehr viel kompetenter und ruhiger wahr, als wir uns beim Sprechen vor Publikum fühlen mögen. Probiert’s es, dann gspürt’s es!

»Könnte ich noch einmal zur Universität gehen, würde ich mich auf zwei Ziele konzentrieren:
Das Schreiben und die Rede vor Publikum. Es gibt nichts Wichtigeres im Leben als
die Fähigkeit, effizient zu kommunizieren.«
Gerald R. Ford

Andreas Lugauer

Adresse: http://ethik-msc.phil.uni-augsburg.de/rhetorik-workshop-bericht/


Tagungsbericht »Politische Literatur«

von Andreas Lugauer am 30.11.2017

Politische Literatur: Debatten, Begriffe, Aktualität (4.–7.10.2017, Erlangen)

Tagungsbericht

Resümiert man die poetologischen und literaturwissenschaftlichen Debatten über den Begriff der ›politischen Literatur‹, wie sie im Grunde seit dem 19. Jahrhundert – mit verschiedenen Stoßrichtungen und in diversen Hochkonjunkturen der Diskussion – geführt wurden, so lässt sich eine dichotomische Struktur feststellen. Seit der Sattelzeit (Schiller, Goethe) – und bis zu Sartre, Adorno oder Enzensberger – dominiert eine oftmals polemische Entgegensetzung von ›ästhetischer Autonomie‹ und ›Engagement‹, von ›reiner Kunst‹ und ›Tendenzliteratur‹, von Poesie und Politik den Diskurs. Diese bestimmenden ›Leitdifferenzen‹ wurden bereits in der systemtheoretischen Analyse hervorgehoben. Andererseits hat es immer wieder Ansätze gegeben, die einer solchen Oppositionsbildung programmatisch entgegenzuwirken suchten – von der romantischen ›progressiven Universalpoesie‹ über Benjamins ›Haltung‹ und Brechts ›Eingreifendem Denken‹ bis zur Dichtung nach 1945 (Bachmann, Eich, Christa Wolf) und zeitgenössischen Autoren wie Juli Zeh, Kathrin Röggla, Christian Kracht oder der subversiven Netzliteratur.

Die Wiederaufnahme der Diskussion auf der Tagung ›Politische Literatur‹, die vom 4.–7. Oktober 2017 in Erlangen stattfand, hat gezeigt, dass eine dichotomisierende Konzeption des Gegenstands nicht weiterführt und letztlich nicht haltbar ist. Vor allem ist deutlich geworden, dass ein politischer Impetus der Literatur sich nicht unbedingt (allein) in einer inhaltlichen Fokussierung oder einer programmatischen Positionierung der Texte zeigt, sondern sich oftmals mittels einer Arbeit an der Sprache, einer diskurskritischen Verfahrensweise oder subversiver Strukturen präsentiert. Beide Dimensionen können sich dabei durchdringen, müssen es aber nicht zwangsläufig.

Um eine angemessene Erfassung des Gegenstandes ›politische Literatur‹ zu ermöglichen, bedarf es keiner grundsätzlich kategorialen, sondern vor allem einer heuristischen Systematisierung. Sie unterscheidet zwischen verschiedenen (gegebenenfalls dominanten) Möglichkeiten einer politischen Ausrichtung von Literatur, ohne dass dabei andere Dimensionen ausgeschlossen würden.

Mittels systematisch-theoretischer wie auch historischer Beiträge wurde im Rahmen der Tagung sowohl eine Revision des Begriffs ›politische Literatur‹ ermöglicht, wie auch poetologische Konzeptionierungen und literaturwissenschaftliche Modellierungen des Feldes in den Blick genommen wurden. Ziel war es, einen grundlegenden Beitrag zur kritischen Bestandsaufnahme der bisherigen Forschung, zur aktualisierten Fundierung und zur definitorischen Neuverortung des Begriffs ›politische Literatur‹ zu leisten.

Will man in der literaturwissenschaftlichen Analyse nicht nur die inhaltliche Auseinandersetzung, sondern auch die ästhetischen Verfahrensweisen und die Wirkungsdimensionen politischer Literatur als wichtige Faktoren mit einbeziehen, so lassen sich – wie die Beiträge der Tagung deutlich gemacht haben – vier, lediglich heuristisch zu unterscheidende und sich immer wieder durchdringende Perspektiven bzw. Akzentuierungen  ausmachen, die das Politische als Reflexionsraum der Literatur in den Blick nehmen:

Die systematisch-theoretische Reflexion muss hierbei – auch das ein wesentlicher Erkenntnisgewinn der Tagung – stets die historische Kontextualisierung der literarischen Texte und gleichermaßen ihrer theoretisch-poetologischen Reflexion berücksichtigen. Vor diesem Hintergrund wurde außerdem die Notwendigkeit einer kritischen Auseinandersetzung mit der politischen Perspektivierung literaturwissenschaftlicher Modellbildung und Geschichtsschreibung deutlich.

Die Beiträge und Diskussionen der Tagung werden in einem Tagungsband publiziert, dessen Erscheinen für 2018 im Metzler Verlag geplant ist.

Prof. Dr. Christine Lubkoll, Dr. Manuel Illi, Anna Hampel

Das Tagungsprogramm ist hier einsehbar: [klick][1].

 

Anhänge:
  1. [klick]: http://ethik-msc.phil.uni-augsburg.de/wp-content/uploads/2017/09/Politische_Literatur_DFG_Tagung_Folder_web.pdf

Adresse: http://ethik-msc.phil.uni-augsburg.de/tagungsbericht-politische-literatur-debatten-begriffe-aktualitaet/


Gastvortrag Prof. Dr. Nida-Rümelin: »Ethik der Grenzen«

von Andreas Lugauer am 07.11.2017

Gastvortrag »Ethik der Grenzen«

Am Dienstag, 14. November 2017, spricht Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin, Staatsminister a.D., zum Thema

 

Ethik der Grenzen

 

Der Vortrag findet um 19:00 Uhr im Augustana-Saal (Annahof 4, Augsburg) statt.

 

Der Studiengang lädt, in Verbindung mit dem Evangelischen Forum Annahof du dem Jakob Fugger-Zentrum, herzlich dazu ein!

Der Eintritt ist frei.

 
Plakat[1]

Pressemeldung[2]

Anhänge:
  1. Plakat: http://ethik-msc.phil.uni-augsburg.de/wp-content/uploads/2017/11/Nida-Rümelin-Plakat.png
  2. Pressemeldung: http://www.presse.uni-augsburg.de/unipressedienst/2017/okt-dez/2017_169/

Adresse: http://ethik-msc.phil.uni-augsburg.de/gastvortrag-ethik-der-grenzen/


Tagung „Merkmal, Makel, Möglichkeiten“

von Julian Werlitz am 07.11.2017

Merkmal, Makel, Möglichkeiten.

Stigmatisierung als Movens in der Identitätskonstitution

Herzliche Einladung zur interdisziplinären Nachwuchswissenschaftler*innen-Tagung vom 17. – 18. November in Augsburg, Raum 4056 D.

 

Das Programm und weitere Informationen finden Sie hier[1].

Anhänge:
  1. hier: http://ethik-msc.phil.uni-augsburg.de/wp-content/uploads/2017/11/Broschu_re_RZ_Online_01.pdf

Adresse: http://ethik-msc.phil.uni-augsburg.de/tagung-merkmal-makel-moeglichkeiten/


Lange Nacht der Wissenschaften: Zensierte Briefe aus psychiatrischen Anstalten

von Andreas Lugauer am 21.10.2017

Lange Nacht der Wissenschaften

Der Elitestudiengang »Ethik der Textkulturen« stellt vor:

Zensierte Briefe aus psychiatrischen Anstalten

In psychiatrischen Anstalten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts wurden einige der von den Patienten geschriebenen Briefe nicht abgeschickt, sondern zu den Akten gelegt. In dieser Veranstaltung wird die neue, am Lehrstuhl für Germanistische Sprachwissenschaft der FAU und am Elitestudiengang »Ethik der Textkulturen« angesiedelte Nachwuchsforschergruppe »Flexible Schreiber in der Sprachgeschichte« vorgestellt (siehe dazu copadocs.de [klick][1]). Dabei werden unveröffentlichte Briefe und auch Gedichte im Original vorgetragen. Die Texte stammen aus den süddeutschen psychiatrischen Anstalten Erlangen, Ansbach, Irsee/Kaufbeuren, aber auch aus dem norddeutschen Raum und aus Großbritannien. Vorträge um 19:00 Uhr, 20:30 Uhr und 22:00 Uhr (Dauer: je 45 Min.), Posterausstellung, Bar.
Ort: PhilFak, B-Turm, Raum B 302.

 

Anhänge:
  1. copadocs.de [klick]: http://copadocs.de

Adresse: http://ethik-msc.phil.uni-augsburg.de/lange-nacht-der-wissenschaften-zensierte-briefe-aus-psychiatrischen-anstalten/