Rhetorik-Workshop Augsburg, 10.–12.11.2017

 

»Eine Rede ist wie eine Liebesaffäre: Jeder Dummkopf kann damit anfangen.
Sie zu Ende zu bringen, erfordert einige Geschicklichkeit.«
Marcello Malpighi

Wie trete ich bei Vorträgen vor Publikum auf?
Wie gestalte und strukturiere ich eine Rede?
Wie setze ich meine Stimme ein, um kompetent und überzeugend zu wirken?
Um diese und andere rhetorische Fähigkeiten ging es beim Rhetorik-Workshop, den der Studiengang Ethik der Textkulturen vom 10.–12.11.2017 in Augsburg unter der Leitung von Coach Patrick Lang veranstaltete.
Workshop-Leiter Lang bietet seit etwa 20 Jahren solche Kurse an. Mit geübtem Blick stellte er zu Beginn des Workshops anhand von einminütigen Vorträgen unsere rhetorischen Schwächen fest und machte es sich zum Ziel, die wichtigsten davon im Laufe des Wochenendes zu verbessern.

Deine Rede beginnt schon, bevor Du sprichst: dann, wenn Du vor das Publikum trittst.
Beginne Deine Rede nicht mit »Heute spreche ich über …«, sondern hau‘ gleich einen raus, um die Aufmerksamkeit auf Dich zu ziehen.
Wenn Du keine Frage stellst, geh am Ende des Satzes mit der Stimme nach unten. – Mach auch mal ‘ne Pause. – – – Und vor allem: v a r i i e r e  DeInE STIMME sonstredestDunurmonotondahinundalleschlafeneinguteNacht
Tipps wie diese, die Lang uns anhand unterhaltsamer Beispiele vermittelte, übten wir stets ausführlich ein. Gelernt wurde fast spielerisch: Barack Obama vor dem deutschen Bundestag, Bundestrainer Jogi Löw in der Halbzeitpause des WM-Finales, Tim Cook bei der Präsentation des neuen iPhones – in diese Rollen durften wir schlüpfen, darin aus uns herausgehen und so über uns hinauswachsen.

Durch die vielen praktischen Übungen waren am Ende des Seminars bei uns TeilnehmerInnen deutliche Verbesserungen in den verschiedenen rhetorischen Aspekten zu sehen – zu sehen, denn die letzte Übung stellte eine gefilmte Rede (3 Min.) mit anschließender Video-Analyse dar. Das eben eingesetzte rhetorische Stilmittel Anadiplose (»zu sehen – zu sehen«, eine unmittelbare Wiederholung) hatten wir LiteraturwissenschaftlerInnen freilich vorher schon gekannt. Allerdings (fast) nur rezeptiv und unbewusst produktiv, und nicht, wie jetzt, auch bewusst produktiv.
Wer noch nie eine Videoaufzeichnung von sich selbst gesehen hat: Gemeinhin nehmen wir uns als sehr viel kompetenter und ruhiger wahr, als wir uns beim Sprechen vor Publikum fühlen mögen. Probiert’s es, dann gspürt’s es!

»Könnte ich noch einmal zur Universität gehen, würde ich mich auf zwei Ziele konzentrieren:
Das Schreiben und die Rede vor Publikum. Es gibt nichts Wichtigeres im Leben als
die Fähigkeit, effizient zu kommunizieren.«
Gerald R. Ford

Andreas Lugauer

 
„Das Eigene muß so gut gelernt sein wie das Fremde.“
Hölderlin an Böhlendorff, 4. Dezember 1801
 


Copyright: Ethik der Textkulturen, Universität Augsburg, Universität Erlangen, 2012