Der 17. Band der Reihe Ethik – Text – Kultur im Wilhelm Fink Verlag ist erschienen,
von Sarah Maaß:

 

Höflichkeit – Dummheit – Eigenschaftslosigkeit.

Die Ethik des Neutrums bei Robert Musil und Robert Walser

 

Die ethische Relevanz von Literatur wird nicht selten an deren Anschlussfähigkeit an moralische Vernunftnormen wie Urteils-, Entscheidungs- und Orientierungsfähigkeit bemessen. Die Studie problematisiert diese moralphilosophische Überformung des ethical turn und weist auf einen (literatur-)ethischen Unterstrom hin, der auf Desorientierung, Entsubjektivierung und Urteilsenthaltung zuläuft. Derartig ›verantwortungslosen‹ Praktiken ist Roland Barthes’ Vorlesung Das Neutrum gewidmet, die mit Foucaults Systematik der Selbstverhältnisse und Deleuzes spinozistischer Ethologie als Ethik des Selbst rekonstruiert wird.

In Robert Musils und Robert Walsers Romanen kommt eine ethologische Suchbewegung zum Tragen, die vom Phantasma des Neutrums angetrieben wird und eigenschaftslose Existenzweisen hervorbringt.

Der 15. Band der Reihe Ethik – Text – Kultur im Wilhelm Fink Verlag ist erschienen, herausgegeben von Stephanie Catani und Stephanie Waldow:

 

Non-Person.

Grenzen des Humanen in Literatur, Kultur und Medien

 

Mit dem Begriff der Non-Person nimmt der Band rechtliche, medizinische, politische und gesellschaftliche Inklusions- wie Exklusionsverfahren in den Blick, die über das Mensch-Sein, den Personenstatus und seine Grenzen bestimmen. Der Band versucht den Begriff der Person vor dem Hintergrund seiner breiten interdisziplinären Semantik zu definieren und nimmt spezifisch ästhetische Figurationen von Non-Persons in den Blick.

Medial vermittelte wie literarisch imaginierte Non-Persons lassen sich etwa dort untersuchen, wo sie als Grenzgänger geltende Binäroppositionen sichtbar machen und deren identitätsstabilisierendes wie -destabilisierendes Potenzial kritisch befragen. Besondere Brisanz erfährt der Begriff durch weltweite Flucht- und Migrationsbewegungen, die nicht erst im 21. Jahrhundert die Frage nach der menschenrechtlichen Situation Flüchtender, Staatenloser und Asylsuchender dringlich werden lassen.

 

 

 

 

 

 

 

Es ergeht eine herzliche Einladung zur Ringvorlesung des Forums für Integration und interkulturellen Dialog (FAU INTEGRA) im SoSe 2020:

„Mauerfälle. Grenzen und Umbrüche in Gesellschaft, Kultur und Literatur“

Zeit: Mi, 18:00–20:00
Raum: Kreuz&Quer (Bohlenplatz 1, 91054 Erlangen – Google Maps [hier klicken])
Programm: Übersicht als PDF [hier klicken]

Übersicht als PDF [klicken]

Bitte beachten: Aufgrund der Corona-Pandemie wird die Ringvorlesung wird zunächst in digitaler Form als Video-Podcast auf StudOn angeboten! Den Kurs finden Sie unter folgendem Link: https://www.studon.fau.de/crs2944157_join.html [zum Aufrufen klicken]

Inhalt: Zum Jubiläumsjahr des Mauerfalls widmet sich die Ringvorlesung Formen und Funktionen der Mauer und des Mauerfalls in der Kultur der Gegenwart. In den Blick genommen werden dabei Verhandlungen von Mauern, Mauerbauprojekten und ‚Mauerfällen‘ – historischen wie fiktionalen, gesellschaftlichen wie künstlerischen.

Welche staatlichen, gesellschaftlichen und moralischen Grenzen, Wenden und Umbrüche markieren Mauern in der Gesellschaft? Wie werden sie in der Literatur, in Musik und Film dargestellt und als Leitmotive eingesetzt? Wie hat das historische Ereignis von Mauerbau und Mauerfall in Deutschland international die Kultur der Gegenwart und des Jahrhunderts beeinflusst? Und welche Bedeutung haben aktuelle Mauerbauprojekte im Großen wie im Kleinen, von der mexikanischamerikanischen Grenze bis zur ‚Gated Community‘ für Kultur und Gesellschaft? Diesen und weiteren Fragen geht die Ringvorlesung aus interdisziplinärer Perspektive auf den Grund.

Die Vorlesung wird organisiert von der Juniorprofessur für Neuere deutsche Literatur mit Schwerpunkt Kinder- und Jugendliteratur der FAU in
Kooperation mit dem interdisziplinären Zentrum für Literatur und Kultur der Gegenwart (IZG) sowie dem Forum für Integration und interkulturellen Dialog, FAU Integra. Ansprechpartnerin: Prof. Dr. Maren Conrad [hier klicken].

„Was ist also die Zeit? Wenn mich niemand darnach fragt, weiß ich es,
wenn ich es aber einem, der mich fragt, erklären sollte, weiß ich es nicht.“

AUGUSTINUS, Bekenntnisse

Call for Papers
„Von Zeit zu Zeit – Polyperspektivische Konzepte von Temporalität“
Tagung für Nachwuchswissenschaftler*innen

Wann? 23. & 24. Juli 2020
Wo? Historischer Saal der VHS, Friedrichstraße 19, 91054 Erlangen

Die Zeitlichkeit und die Entfaltung in ihr ist die wesentliche Wirklichkeit des Menschseins. Sie konstituiert die Bedingungen menschlicher Existenz, seine Wahrnehmung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, seine Endlichkeit und Sterblichkeit. Die Zeit ist nicht bloßes Phänomen, sondern drängt sich als Problem, als antwortlose Frage, als Unbegreiflichkeit auf, und gleichzeitig doch omnipräsent im Leben verankert. Unsere Erfahrung von Zeitlichkeit geschieht zwischen dem Nicht-Mehr der Vergangenheit und dem Noch-Nicht der Zukunft. Der Mensch erlebt die Wirklichkeit in der flüchtigen Gegenwart zwischen diesen zwei Formen des Nichtseins.

Die Problematik der Zeit verlangt nach Ausdruck. Dieser geschieht in sämtlichen Zeichensystemen, Medien und Künsten. Sowohl in den Geistes- wie auch in den Naturwissenschaften findet eine intensive Auseinandersetzung mit Temporalität statt. Unsere Tagung soll eben jene Polyperspektivität und Vielfalt der Wahrnehmungen als Ausgangspunkt haben und einen interdisziplinären Austausch ermöglichen. Von der Literaturwissenschaft und Linguistik über Philosophie, Theologie und Medienwissenschaft zur Physik und Psychologie möchten wir dezidiert jungen Nachwuchswissenschaftler*innen, d.h. Studierenden wie auch Promovierenden, eine Plattform bieten, um sich dem Gegenstand zu nähern. Neben Zeiterfahrung und -wahrnehmung sind auch Konzeptionen von Geschichte, Erinnerung oder der ethischen Dimension von Zeitlichkeit mögliche Themen, die unsere Tagung verhandeln möchte.

Wir wünschen uns bis zum 24.03.2020 ein prägnantes Abstract mit Titel und einer kurzen Vorstellung des Vortragsthemas. Die Vortragsdauer soll 30 Minuten umfassen, damit noch zehn Minuten Raum für Diskussionen möglich ist. Powerpoints zur Unterstützung des Vortrags sind möglich und gern gesehen. Die Reise- und Übernachtungskosten für auswärtige Teilnehmer*innen werden übernommen.
Presentations in english are also possible.

Ideen für ein Vortragsthema oder Nachfragen bitte an:
Katharina Muschiol (k.muschiol@outlook.com)
Stefan Otto Ruiz (stefan.ottoruiz@web.de)

Call for Papers als PDF: [hier klicken]

Ethik der Textkulturen und FAU INTEGRA laden herzlich ein zur Lesung mit Max Czollek

Am 21.1.2020 um 19:30 Uhr liest Max Czollek aus seinem letzten Buch „Desintegriert Euch!“. Das Gespräch im Anschluss wird von Prof. Dr. Christine Lubkoll (Lehrstuhl für Neuere deutsche Literatur mit historischem Schwerpunkt an der FAU) und Timo Sestu (Institut für Deutsche und Niederländische Philologie an der FU Berlin) durchgeführt und moderiert. Die Lesung findet in der Stadtbibliothek Erlangen (Marktplatz 1) statt. Der Eintritt ist frei.

FACEBOOK: https://www.facebook.com/events/456814235260669/ [klick]

Zum Buch: Max Czollek ist dreißig, jüdisch und wütend. Denn hierzulande herrschen seltsame Regeln: Ein guter Migrant ist, wer aufgeklärt über Frauenunterdrückung, Islamismus und Demokratiefähigkeit spricht. Ein guter Jude, wer stets zu Antisemitismus, Holocaust und Israel Auskunft gibt. Dieses Integrationstheater stabilisiert das Bild einer geläuterten Gesellschaft – während eine völkische Partei Erfolge feiert. Max Czollek entwirft in seiner Streitschrift eine Strategie, dieses Theater zu beenden: Desintegration. „Desintegriert euch!“ ist ein Schlachtruf der neuen jüdischen Szene und zugleich eine Attacke auf die Vision einer alleinseligmachenden Leitkultur. Dieses furios streitbare Buch ist die Polemik der Stunde.

Zum Autor: Max Czollek wurde 1987 in Berlin geboren, wo er bis heute lebt. Bis 2006 besuchte er die Jüdische (Ober-)Schule Berlin und schloss ein Studium der Politikwissenschaften an der FU Berlin an, das er mit einer Promotion am Zentrum für Antisemitismusforschung beendete. Mit Sasha Marianna Salzmann kuratierte er 2016 die Veranstaltung „Desintegration. Ein Kongress zeitgenössischer jüdischer Positionen“. Seit 2009 ist er Mitglied des Lyrikkollektivs G13, organisiert gemeinsame Lesetouren und Veröffentlichungen und ist Kurator des internationalen Lyrikprojekts „Babelsprech“. Außerdem ist er Mitherausgeber der Zeitschrift Jalta – Positionen zur jüdischen Gegenwart. Im Verlagshaus Berlin erschienen bislang die drei Gedichtbände „Druckkammern“ (2012), „Jubeljahre“ (2015) und „Grenzwerte“ (2019).