Ethik der Textkulturen

Lektüreklausur: Theodor W. Adorno, »Negative Dialektik«

von Andreas Lugauer am 21.08.2019

Lektüreklausur: Theodor W. Adorno, »Negative Dialektik«

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Herausforderung philosophische Abhandlung. Viele philosophische Einzelwerke bereiten ihren Leser*innen große Schwierigkeiten: dichter, kondensierter Ausdruck hochkomplexer Gedanken, idiosynkratische Darstellung und Voraussetzungsreichtum sind nur einige der hermetischen Hürden, die dem Textverständnis bisweilen entgegenstehen.

In stiller Einzellektüre solcher Werke stellt sich mitunter nach wenigen Seiten Frustration ein, der ganze Text erscheint als kaum zu bewältigen, sein Sinn als nicht annähernd zu erschließen. Ungelesen und unverstanden schließlich harren sie weiter in Bücherregalen ihrer Rezeption oder gar intellektuellen Aneignung. Distant reading, also der Zugang über Sekundärquellen, der die Beschränkung auf die Kerngedanken solcher Texte, entkleidet von deren Entwicklung, bedingt, ist das Mittel der Wahl.

Rückzug zur intensiven Lektüre

Um dem entgegenzutreten, treffen sich Erlanger Studierende des Masterstudiengangs »Ethik der Textkulturen« seit 2017 einmal pro vorlesungsfreie Zeit zur mehrtägigen intensiven Lektüre bedeutsamer philosophischer Abhandlungen, die mit dem Kanon des Studiengangs in engem Zusammenhang stehen. Vier Tage lang wird 10–12 Stunden pro Tag gelesen und diskutiert. Nur Studierende, keine Dozierenden oder sonstigen Lektüreleiter*innen. Keine Prüfung, keine ECTS, nur intrinsisch motivierte Lektüre.

Den Anfang dieser Veranstaltungsreihe machte die Beschäftigung mit G.W.F. Hegels »Phänomenologie des Geistes«, gefolgt von Martin Heideggers »Sein und Zeit« sowie Immanuel Kants »Kritik der Urteilskraft«. Die Auswahl der Lektüre erfolgt stets nach Mehrheitsbeschluss.

SoSe 2019: Theodor W. Adornos »Negative Dialektik«

Im August 2019 schließlich stand Theodor W. Adornos »Negative Dialektik« auf dem Programm. Der Philosoph, Sozialforscher, Musiktheoretiker und Komponist Adorno legt darin eine Methodologie des philosophischen Verfahrens seiner materialen Arbeiten vor. Das heißt, er zeigt den theoretischen Hintergrund seiner Arbeiten, die sich mit Gegenständen aus Philosophie, Sozialforschung, Literatur und Musiktheorie beschäftigen.

»Der Autor legt, soweit er es vermag, die Karten auf den Tisch; das ist keineswegs dasselbe wie das Spiel.« (Adorno: »Negative Dialektik« (= GS 6), S. 9)

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Womit schon eine Schwierigkeit des Textes bzw. von Adornos Denken überhaupt angesprochen ist: Bei ihm gibt es die Trennung zwischen Theorie und gegenständlicher Arbeit nicht. »Stringent über die offizielle Trennung von reiner Philosophie und Sachhaltigem oder Formalwissenschaftlichem hinauszugelangen, war … eines der bestimmenden Motive.« (Adorno: »Negative Dialektik« (= GS 6), S. 10)

Kritik der philosophischen Systeme: Adornos »Antisystem«

Adornos Verfahren ist ein durch und durch antisystematisches. Die »Negative Dialektik« ist eine Kritik an philosophischen Systemen als solchen. Sie bietet – bildlich gesprochen – kein theoretisches Gebäude, das auf einigen wenigen Grundannahmen fußend errichtet wird. (Auf diese Weise funktioniert etwa René Descartes’ Philosophie, die vom ersten unbezweifelbaren Satz, dem »Ich denke«, ausgeht und auf diesem entwickelt wird.)

Anspruch von Adornos Kritik an philosophischen Systemen ist es, immanent vonstatten zu gehen: Adorno nimmt sich philosophischer Systeme wie dem idealistischen System Hegels an und versucht, mit ihnen über sie hinauszugelangen. Im Vollzug dieser System-Kritik in der »Negativen Dialektik« soll zugleich deren Rechtfertigung liegen.

Abgeschiedenheit in der Fränkischen Schweiz: Pottenstein

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Dieses Denken nachzuvollziehen, begab sich eine Gruppe von neun Studierenden des Masterstudiengangs »Ethik der Textkulturen« vom 8.–12. August 2019 in ein Ferienhaus im oberfränkischen Pottenstein. Die Abgeschiedenheit in diesem in der Fränkischen Schweiz gelegenen Luftkurort – angelehnt an die monastische Bedeutung von »Klausur« – bettet die Lesegruppe in eine ideale Atmosphäre für die konzentrierte Beschäftigung mit der Lektüre. In den Pausen können auf der am Hang mit Blick über die Stadt Pottenstein gelegenen Terrasse des Hauses Kraft getankt werden oder kleine Wanderungen in der Umgegend unternommen werden.

Gewiss ist der zeitliche Rahmen zu kurz dafür, eine ganze derartige philosophische Abhandlung zu bewältigen. Doch schafft die intensive Beschäftigung eine sehr gute Voraussetzung für die weitere, womöglich dann alleine gelingende Beschäftigung.

(Text: Andreas Lugauer; Fotos: Valerie Bürger, Sarah Dönges)

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Poetik-Kolleg: Hans Pleschinski in Erlangen

von Andreas Lugauer am 30.07.2019

Poetik-Kolleg: Hans Pleschinski in Erlangen

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(c) Bild: Verlag C.H.Beck

An der FAU findet jährlich das Erlanger Poetik-Kolleg statt, das Studierenden die Möglichkeit bietet, gemeinsam mit namhaften Gegenwartsautoren deren Texte zu diskutieren. Zwei Nobelpreisträger, Hertha Müller (2008) und Günter Grass (2014), waren bereits zu Gast. Gastpoet 2019 war Hans Pleschinski. Mit vielbeachteten Übersetzungen aus dem Französischen erschloss Pleschinski in den letzten Jahren Werke des literarischen Höhenkamms einem breiten Publikum. Mit seinem eigenen jüngeren Prosawerk, zu dem Bestseller wie „Königsallee“ zählen, gehört Pleschinski zu den wichtigsten Repräsentanten einer deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, die Kulturpflege im Medium des Historischen Romans unternimmt.

Der Doppelrolle Pleschinskis als Schriftsteller und Übersetzer trug das Seminar durch die Zusammenarbeit von Germanistik (Prof. Dr. Gunnar Och) und Romanistik (Prof. Dr. Gisela Schlüter) Rechnung. Das Studierendengespräch mit dem Autor fand am 12.7.2019 statt. Thematisiert wurden im Rahmen des Seminars Fragen nach Pleschinskis Poetik des Übersetzens, dem literarischen Schreibprozess und den gesellschaftlichen Funktionen von Poesie. Anknüpfungspunkt für eine philologische Fachdiskussion waren nicht zuletzt philologische Aspekte im Schaffen des Autors selbst: Gründliches Quellenstudium und die Zusammenarbeit mit Fachleuten aus der Literaturwissenschaft flankieren Pleschinskis Schreiben. Mit dem Gerhart-Hauptmann-Experten Peter Sprengel etwa tauschte sich der Autor für seinen Roman „Wiesenstein“ aus. Aus diesem, seinem neuesten Werk las Pleschinski dann auch am Abend des 12. Juli im gut besuchten Erlanger Kunstpalais.
(Text: Korbinian Lindel)

 

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Podiumsdiskussion: Migration und soziale Diversität

von Andreas Lugauer am 19.07.2019

Wie Migration die Gesellschaft verändert und wie sie davon profitiert

22. Juli | 18.00 Uhr (s.t.!)
Senatssaal, Kollegienhaus, Universitätsstraße 15, Erlangen

Spricht man über die Situation von Migrant*innen in unserer Gesellschaft, dann siedelt man diese zu Recht oft auf der niedrigsten sozialen Skala an. Soziale Hierarchien innerhalb dieser Gruppe werden oft übersehen. Die Podiumsdiskussion fragt dagegen nach ihrer Heterogenität und deren Ursachen (ethnische Herkunft, Bildung, Religion, rechtlicher Status, ökonomische Unterschiede etc.) Wie nimmt unsere Gesellschaft diese wahr und wie geht sie damit um?

Zu Gast sind Dr. Elisabeth Preuß, Bürgermeisterin der Stadt Erlangen und Referentin für Soziales, Integration, Inklusion und Demografischen Wandel, und Prof. Dr. Ludger Pries, Lehrstuhlinhaber der Soziologie an der Ruhr-Universität Bochum. Außerdem wird Martina Alwon mitdiskutieren, die seit vier Jahren ehrenamtlich beim Eckentaler Flüchtlingsbündnis FLECK tätig ist. Nour Jazar aus Syrien, der 2015 nach Deutschland geflüchtet ist und inzwischen an der Universität Bamberg studiert, wird die Perspektive der Geflüchteten vertreten. Prof. Dr. Christine Lubkoll, Sprecherin des Studiengangs Ethik der Textkulturen an der FAU und Mit-Initiatorin von FAU Integra, moderiert die Diskussion.

Weitere Informationen:
Eva Knöferl
Tel.: 09131/85-22425
eva.knoeferl@fau.de

https://www.fau.de/2019/07/news/veranstaltungen/diskussion-migration-und-soziale-diversitaet/[1]

 

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  1. https://www.fau.de/2019/07/news/veranstaltungen/diskussion-migration-und-soziale-diversitaet/: https://www.fau.de/2019/07/news/veranstaltungen/diskussion-migration-und-soziale-diversitaet/

Adresse: https://ethik-msc.phil.uni-augsburg.de/podiumsdiskussion-migration-und-soziale-diversitaet/


Augsburger Gespräche zu Literatur und Engagement

von Julian Werlitz am 08.07.2019

Freiheit! Die Augsburger Gespräche zu Literatur und Engagement gehen in die zweite Runde.

 

In enger Kooperation mit dem Sensemble Theater Augsburg und dem Friedensbüro finden die Gespräche in diesem Jahr vom 28.-30. Juli 2019 in der Stadtbücherei Augsburg statt.

 

Diskutiert wird über das Thema Freiheit: Wieviel Freiheit verträgt eine Gesellschaft, eine Demokratie, gerade in Zeiten von Terror und Rechtspopulismus? Wo sind die Grenzen der Freiheit zu ziehen? Wie bedroht ist die Freiheit durch Sicherheitswahn und Überwachungsmaschinerien? Wie gestaltet sich Freiheit in Zeiten von Flucht und Migration und ist Freiheit nicht letztlich auch kultur- und religionsabhängig?

 

Darüber diskutieren in diesem Jahr Sibylle Lewitscharoff, Kathrin Röggla, Susanne Heinrich, Tanasgol Sabbagh, Christoph Peters, Pierre Jarawan, Rainer Merkel und Stefan Kaegi von Rimini Protokoll.

 

Flyer / Programm[1]

Pressemitteilung[2]

Anhänge:
  1. Flyer / Programm: http://ethik-msc.phil.uni-augsburg.de/wp-content/uploads/2019/07/2019_07_Flyer-Waldow-Augsbg.-Gespräche_final_pdf-klein-1.pdf
  2. Pressemitteilung: http://ethik-msc.phil.uni-augsburg.de/wp-content/uploads/2019/07/Pressemitteilung-2019.pdf

Adresse: https://ethik-msc.phil.uni-augsburg.de/augsburger-gespraeche-zu-literatur-und-engagement-2/


Lesung mit Oscar Cásares

von Julian Werlitz am 08.07.2019

Lesung mit Oscar Cásares

 

Oscar Cásares is from a town called Brownsville, located at the southern end of the Rio Grande River, just across the bridge from Matamoros, Mexico. Originally from San Luis Potosí, his ancestors settled in this border region back in the 1850s, and since then have spread far and wide across the country.

When he is not involved in teaching creative writing courses at the University of Texas at Austin, Oscar Cásares writes novels, stories, and essays about the border. His first book was a story collection called Brownsville, which was named a Notable Book of 2004 by the American Library Association. Amigoland, his first novel, was selected for the 2009 Austin Mayor’s Book Club, a citywide reading initiative by Austin Public Library.

In his talk here in Augsburg, he will introduce his new novel, Where We Come From[1], to the audience, which was published in May 2019. According to the author, it is “a lot of things—too many to list here—but what I can tell you is that I wrote it to understand what happens when you are separated from a place or a person but a piece of that place or person never leaves you.”

 

Stadtbücherei Augsburg | 09.07.2019 | 18 Uhr | freier Eintritt

Anhänge:
  1. Where We Come From: https://www.oscarcasares.com/purchase

Adresse: https://ethik-msc.phil.uni-augsburg.de/lesung-mit-oscar-casares/