Der 17. Band der Reihe Ethik – Text – Kultur im Wilhelm Fink Verlag ist erschienen,
von Sarah Maaß:

 

Höflichkeit – Dummheit – Eigenschaftslosigkeit.

Die Ethik des Neutrums bei Robert Musil und Robert Walser

 

Die ethische Relevanz von Literatur wird nicht selten an deren Anschlussfähigkeit an moralische Vernunftnormen wie Urteils-, Entscheidungs- und Orientierungsfähigkeit bemessen. Die Studie problematisiert diese moralphilosophische Überformung des ethical turn und weist auf einen (literatur-)ethischen Unterstrom hin, der auf Desorientierung, Entsubjektivierung und Urteilsenthaltung zuläuft. Derartig ›verantwortungslosen‹ Praktiken ist Roland Barthes’ Vorlesung Das Neutrum gewidmet, die mit Foucaults Systematik der Selbstverhältnisse und Deleuzes spinozistischer Ethologie als Ethik des Selbst rekonstruiert wird.

In Robert Musils und Robert Walsers Romanen kommt eine ethologische Suchbewegung zum Tragen, die vom Phantasma des Neutrums angetrieben wird und eigenschaftslose Existenzweisen hervorbringt.

 
„Das Ethische ist dasjenige, wodurch ein Mensch das wird, was er wird.“
Sören Kierkegaard
 


Copyright: Ethik der Textkulturen, Universität Augsburg, Universität Erlangen, 2012