Symposium »Was war Geschlecht? Geschlechterforschung – kollaborativ«

 25.–26. Juli 2019

Villa an der Schwabach, Hindenburgstraße 46A, 91054 Erlangen

Tagungsprogramm als PDF: [hier klicken]

 

Herzliche Einladung zum Symposium: Was war Geschlecht? Geschlechterforschung – kollaborativ
Mit einer Keynote von Prof. Dr. Sigrid Nieberle (TU Dortmund): Was wird Geschlecht sein? Neue Aushandlungen emphatischer Geschlechterkonzepte aus kulturwissenschaftlicher Perspektive
Debatten über ›Geschlechtlichkeit‹ sind heute ein politischer Dauerbrenner. Anfang 2019 wurde in Deutschland das dritte Geschlecht (›divers‹) im Pass eingeführt, die #metoo-Bewegung hat 2018 strukturelle Gewalt gegen Frauen aufgedeckt. Die Frage nach gendergerechter Sprache führt in Deutschland seit Jahren zu einer immer stärker festgefahrenen Spaltung der Gesellschaft in Pro und Contra. Statt durch simple Oppositionsbildung die stets gleichen Diskussionen durchzuspielen, scheint ein offener und sensibler Dialog über geschlechterbezogene Fragestellungen überfällig, der auch bereits Spaltungen in der Gesellschaft berücksichtigt. Ein Dialog, der den Grenzen herkömmlicher Konzeptionen von Sprachgebung Rechnung trägt und dabei das wechselseitige Verhältnis von Sprache und sozialer Wirklichkeit nicht aus den Augen verliert. Welche Perspektiven und Chancen ergeben sich aus dieser Entwicklung hin zu sogenannten posttraditionalen Gemeinschaften? Welche hohe Verantwortung im Umgang mit ihr ist notwendig?
Leider ist vor allem in gesellschaftlichen und politischen Debatten eine Neigung zu beobachten, die durch einen direkten Rückschluss von ›Geschlecht‹ auf ›Gender‹ lediglich einen Kampfbegriff machen. Daher soll mit dieser Veranstaltung neben der Beschäftigung mit den eben genannten Fragen auch ein Ausloten der vielfältigen Dimensionen des Begriffs ›Geschlecht‹ ermöglicht werden. Von ›Geschlecht‹ direkt und ausschließlich auf die Unterscheidung von Sexualität und Gender zu schließen, ist vorschnell.
Was ›Geschlecht‹ also eröffnet, sind nicht nur Zugänge zur historischen Erforschung der Kategorie ›Geschlecht‹ im sexualen Sinn. Vor allem ließe sich auch nach der genealogischen Bedeutung von Geschlecht fragen (etwa Familie, Stammbaum, Erbschaft), nach Ethik von Geschlechtlichkeit (etwa Ehe), historiographischen (etwa Generationen als »Geschlechter«) oder taxonomischen Modellen (etwa Geschlecht im Sinn von Ähnlichkeit, von Teilhabe an Merkmalen). Die interdisziplinär ausgerichtete Perspektive bei der Erforschung des Themenkomplexes öffnet den Diskurs für ein breites Feld: es darf mit linguistischen, historischen, ethisch-normativen, literatur-wissenschaftlichen, theologischen, philosophischen, medizinischen, empirischen und sozial-wissenschaftlichen Instrumentarien experimentiert werden.

Organisiert wird die Tagung vom Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturgeschichte mit historischem Schwerpunkt der FAU Erlangen-Nürnberg (Prof. Dr. Christine Lubkoll), dem Elite-Studiengang Ethik der Textkulturen und dem German Studies Department der Brown University, Providence/USA. Um die Kooperation der beiden Universitäten zu intensivieren, wird in einem Feld aus Vortragenden – Studierende des Studiengangs ETK, Promovierende der FAU-Erlangen und PhD Students der Brown University – ein institutioneller Austausch ermöglicht werden. Im Rahmen der zweiten gemeinsamen Tagung wird Frau Prof. Dr. Sigrid Nieberle, Professorin an der Technischen Universität Dortmund für neuere und neueste deutsche Literatur mit dem Schwerpunkt Gender und Diversität, am 26. Juli eine Keynote halten.
Wir freuen uns über Besuchende, Mitwirkende und Kollaborierende!

 

was war geschlecht-team
Valerie Bürger (FAU), Johanna Mauer (FAU), Jasmin S. Meier (Brown), Pasqual Solaß (Brown)

 

 
„Das Ethische ist dasjenige, wodurch ein Mensch das wird, was er wird.“
Sören Kierkegaard
 


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